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Fliegen lernen
Wer kann fliegen lernen?

Eigentlich jeder. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre (in Sonderfällen kann man von der zuständigen Behörde auch eine Sondergenehmigung zwecks Segelflugschulung ab 13,5 Jahren bekommen). Ein Höchstalter gibt es nicht. Besondere körperliche Voraussetzungen gibt es auch nicht. Ein allgemeiner guter Gesundheitszustand reicht. Bis auf wenige rühmliche Ausnahmen abgesehen sind Segelflieger weder Bodybuilder, noch Marathonläufer, noch Iron Men.

Wo kann man fliegen lernen?

Bei uns im Verein. Zwei unserer Flugzeuge (die ASK-21 und die DG-101G) sind vorrangig für die Schulung vorgesehen. Fortgeschrittene Schüler dürfen außerdem die DG-300 nutzen. Dazu haben wir dann noch unsere ehrenamtlichen Fluglehrer, die den fliegerischen Nachwuchs in ihrer Freizeit ausbilden.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Am besten beginnt man mit einer Schnuppermitgliedschaft. Da kann man intensiv ausprobieren, ob einem die Segelfliegerei gefällt, ohne daß man weitere Verpflichtungen eingehen muß. Wir freuen uns besonders über weiblichen Nachwuchs, haben wir doch bereits einige Pilotinnen und Flugschülerinnen. Bis man selbst die Segelfluglizenz in der Hand hält, muß man eine praktische und theoretische Ausbildung durchlaufen.

Der praktische Teil gliedert sich in drei Abschnitte:

• A - Fliegen mit Fluglehrer, bis man es gut genug kann, um alleine im Flugzeug sitzen zu dürfen.
• B - Fliegen, wobei man den Fluglehrer immer öfter am Boden zurück läßt. Jetzt kommen auch lange Alleinflüge in der Thermik und Umschulung auf einen viel besseren Einstitzer hinzu.
• C - Noch längere Flüge allein (bis zu fünf Stunden und mehr), und nach der theoretischen Prüfung noch ein 50km- Überlandflug (oder 100km mit Fluglehrer), und dann die drei Prüfungsflüge.

Der fliegerische Teil besteht aus folgendem Pensum:

• Mindestens 25 Flugstunden, davon 15 im Alleinflug.
• Mindestens 60 Starts, davon mindestens 20 alleine.
• 3 Landungen auf einem anderen Flugplatz, mit oder ohne Fluglehrer.
• Mindestens eine Außenlandeübung mit Fluglehrer.
• 50 km Streckenflug überland, oder 100km mit Fluglehrer.

Die Segelflug-Theorie umfaßt sieben Fächer:

• Navigation - wo bin ich, wo will ich hin, und wie finde ich da hin?
• Technik - wieso fliegt ein Flugzeug?
• Wetterkunde - welches Wetter ist gut zum fliegen, welches weniger?
• Verhalten in besonderen Fällen - keine Panik, runter kommt man immer - wie das ohne "Spreißel" geht, darum geht es in diesem Fach.
• Luftrecht - Verkehrsregeln, was darf man, und was nicht?
• Sprechfunk - aber wenn man ein Sprechfunzeugnis macht, dann hat sich dieses Fach schon von alleine erledigt.
• Menschliches Leistungsvermögen - was kann und darf man seinem Körper zumuten und zutrauen, und was nicht.

Die theoretische Prüfung ist ein Multiple-Choice-Test (nur die richtige Antwort ankreuzen), den man auf dem Regierungspräsidium in Stuttgart-Vaihingen ablegen muß. Das Funksprechzeugnis ist zwar keine Pflicht, aber sehr hilfreich. Auch hier findet der Unterricht im Verein statt. Wenn man auf das BZF verzichtet, hat man in der Theorie den Sprechfunk als siebtes Theoriefach. Die praktische Prüfung besteht aus drei Flügen mit einem Prüfungsrat (auch ein ehrenamtlicher). Das dauert weniger als eine Stunde (außer, der Prüfungsrat will selber noch ein bischen rumfliegen).
Den Pilotenschein bekommt man dann frühestens mit 16 Jahren ausgehändigt. Seit dem 1. Mai 2003 gelten neue Regeln für Segelflugscheine. Die Scheine verfallen nicht mehr. Damit er gültig bleibt, oder nach Ablauf wieder gültig wird, muß man innerhalb von 24 Monaten mindestens 25 Starts machen, davon jeweils 5 Starts pro Startart, die man haben will (es gibt Windenstart, Flugzeugschlepp oder Eigenstart). Wenn man den Segelflugschein einmal hat, und dann auch noch Motorsegler fliegen will, dann reicht eine Weiterbildung.

Diese besteht aus

• einer ergänzenden theoretischen Ausbildung (schließlich muß man ja auch etwas über den Motor wissen),
• 10 Stunden Flugausbildung, davon mindestens 20 Alleinstarts auf einem MoSe,
• An- und Abflüge zu kontrollierten Flugplätzen (zum Beispiel Niederstetten oder Augsburg),
• ein Navigationsdreiecksflug von 270 km mit Fluglehrer,
• ein weiterer Streckenflug von 270 km alleine,
• eine praktische Einweisung zum Beherrschen des Motorseglers in besonderen Flugzuständen.
Am Ende steht wieder eine Prüfung.

Was kostet das?

Wenig Geld. Ein Autoführerschein ist deutlich teurer. Aber Fahrschulen mögen keine Segelflieger, weil die dank der Fliegerei schon ein Auto bedienen können (auch Flugschüler dürfen mit unserem LEPO Seile ausziehen), und einen guten Überblick über das Geschehen um sich herum haben. Das spart Fahrstunden ... Einiges an Zeit. Da Segelfliegen ein Mannschaftssport ist, muß man sich gegenseitig in die Luft helfen. Auf den Flugplatz kommen, fliegen und wieder gehen funktioniert nunmal nicht.

Wann findet das jeweils statt?

Bei uns in der Saison (ca. April bis September), wenn das Wetter mitmacht in der Regel Samstags ab 13:00h und Sonntags ab 9:30h. Im Winter kann es auch immer wieder zu spontanen Flugaktionen kommen. Allerdings gibt es im Winter keine Thermik, so daß sich die Flugzeiten in Grenzen halten. Spaß machts trotzdem, und man bleibt in Übung. Der Theorieunterricht wird ebenfalls im Winter bei uns im Verein gemacht. Wer es gerne kompakt hat (1-2 Wochen am Stück), kann auch für einen Theorikurs auf den Hornberg gehen.

Was sollte man sonst noch wissen?

Vor dem ersten Start als Flugschüler brauchten wir bis Mai 2003 ein Attest vom Hausarzt. Dann wurde die entsprechende Vorschrift von Amts wegen völlig unnötigerweise verschärft, so daß man derzeit bereits vor dem ersten Start als Flugschüler das OK vom Fliegerarzt braucht (also auch, wenn ein Fluglehrer mit im Flugzeug sitzt). Eine Schnuppermitgliedschaft ist aber weiterhin möglich, wenn auch mit leicht reduzierten Privilegien. Und die Verbände arbeiten mit den Behörden daran, wieder eine halbwegs vernünftige Regelung hinzubekommen. So wie es derzeit aussieht (Januar 2005), wird es in Zukunft eine Karenzzeit von 4 Wochen geben, während der für Fluganfänger ein Attest vom Hausarzt ausreichend ist. Das wäre zwar nicht perfekt, aber besser wie jetzt. Vor dem ersten Alleinflug muß man sowieso zum Fliegerarzt (davon gibt es einige in der Region). Vor der Prüfung muß man den Erste-Hilfe-Kurs machen (das sind die gleichen "Sofortmaßnahmen am Unfallort" wie für den Führerschein). Wenn man den in den zwei Jahren vor der Flugprüfung bereits gemacht hat, dann gilt er noch.
Die Luftfahrtbehörde braucht ein Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Verkehrszentralregister in Flensburg. Punkte sind nicht weiter tragisch, bei Alkohol am Steuer ist der Pilotenschein aber auch sofort weg!
Text: Stefan Jaudas

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